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‘Sein oberes Ende ist zugespitzt wie eine Pinselspitze und seine Haltung ist so schief, als ob er trunken sei. Mit seinem oberen Teil, der breit ist und auf dessen Oberfläche starke Wellen hier aufsteigen und dort absinken, und seinem unteren Teil, der schmal ist und sich windet, gleicht er einer Schönheit, wie sie aus dem Bad steigt, zu zart, um das Gewicht ihrer Kleider zu tragen, oder er gleicht fliegenden Schwalben, wie sie einen Tanz aufführen, wild und ungebunden’.

Die kristalline Form des Steins, die der Autor Philip K. Hu als ein lebendiges Gegenüber beschreibt, bestimmt auch die Körpergehäuse der filigranen Konstruktionen von Andreas Gehlen. Es sind Modelle einer verborgenen, universellen Naturgeometrie, deren komplexes Stabwerk die Gesamtgestalt verschiedener Vogelarten widerspiegelt. Die bizarren Zacken, Durchbrechungen und Ausbuchtungen ihrer Skelette verweisen – der Sonderlichkeit und Seltenheit wegen – weniger auf eine ausgestorbene als auf eine erdachte Spezies, die Andreas Gehlen mit allerlei kuriosen Restmaterialien präpariert. Einige macht er künstlich größer und länger als sie von Natur aus sind, andere wiederum zwergenhaft klein und nimmt ihnen ihre natürliche Gestalt. In Farbe, Gestalt und Gemütsart verändert er sie und sorgt für Kreuzungen und Verbindungen von Tieren verschiedener Arten, die neue Arten hervorbringen.

Mit der Strategie und Intuition eines Künstlers und den Methoden eines Forschers gestaltet Andreas Gehlen ungezähmte, synthetische Natur jenseits des menschlichen Territoriums. Seine Quellen sind naturkundliche wie inspirative. Sie befinden sich an der „Schnittstelle zwischen Erinnerung, kulturellem Gedächtnis, Traumprojektionen, mythologischen Überlieferungen und gesellschaftlich geprägten Fantasiewelten“ (Gehlen). So auch in seinen Zeichnungen: Linien und Farbflächen, die mit Computer mehrfach auf Papier überdruckt werden, umreißen Mensch und Tier. Sie erzählen von einem neuen Form- und Farbkosmos und verbinden so gegenwärtig Alltägliches mit aufgeladener, nie da gewesener oder bereits vergessener Geschichte. Um neue Strukturen zu schaffen, überschreitet Andreas Gehlen die Grenzen von Wissenschaft und Kunst und schafft Bindeglieder der jeweiligen Evolutionsgeschichte.  (R.B.)

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